Wie kann man Filter Bubbles entfliehen?

Erleichterung oder Einschränkung

Filter Bubbles„, der Begriff klingt schillernd und gefährlich zugleich. Schillernd, denn er verspricht individuell zugeschnittene Informationen, die aus einer eingeschworenen, vernetzten Community heraus entstehen. Wie ein Strudel ziehen Filter Bubbles die Facebooknutzer oder Twitterinnen in die Tiefe. Und im Auge des Strudels warten Meldungen, die im Hirn die angenehmsten Funken sprühen lassen. In meinem Hirn schwirren dank Twitter Hummeln, egal wohin ich schaue – Mooshummeln, Steinhummeln , Hummeln die Fußball spielen können. Und nicht nur in meinem Hirn schwirren diese pelzigen Insekten, auch im schottischen Stirling und der kanadischen Provinz Ontario scheinen sich die Menschen für nichts anderes zu interessieren. Mittlerweile werde ich neben Hummelnews auch mit Informationen zu Wildbienen versorgt, die ich seit Kurzem ungemein spannend finde – der Strudel führt in die Tiefe. Er führt zu Erkenntnissen, die noch nie so schnell und so gebündelt zu erlangen waren, und zu Kontakten, die eine einzelne Person nie so einfach und kurzweilig hätte knüpfen können. Natürlich schränkt diese Fokussierung Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien auch ein. Denn viele andere Themen erscheinen dank maßgenauem Informationszuschnitt durch Algorithmen gar nicht mehr auf dem Bildschirm. Ab und an spülen die Wogen der Informationsflut andere Meldungen in unsere Kanäle, doch wenn wir diese blockieren, geht der Blick für das Meer an Nachrichten verloren und wir landen in einer Filterblase.

Sind Filter Bubbles nur Teil der digitalen Welt?

Die Gefahr sich die Welt zu verkleinern oder verkleinert zu bekommen, scheint in der digitalen Welt besonders groß zu sein. Feeds versorgen Userinnen und User mit mundgerechten, personalisierten Nachrichten – wir müssen sie nur noch verdauen. Zu den Algorithmen, die die Informationen portionieren, gewähren Facebook und Co. jedoch keinen Zugang. Um die Filterblase verlassen zu können, diskutierten wir im Multimedia-Seminar „Mensch-Maschine-Möglichkeiten“ des wannseeFORUMS, warum sich Menschen freiwillig in diese Blase begeben.

„Um Ordnung in diesen aufgewirbelten Kosmos zu bringen, muss der Mensch dessen Zentrum finden.“ – (Marshall McLuhan)

Während unserer Gespräche in der Multimediagruppe stellten wir fest, dass Filterblasen entstehen, weil wir bestimmte Entscheidungen treffen: wir liken Facebookseiten, wir treten Gruppen bei, wir folgen Personen und damit ändert sich das auf uns zugeschnittene Informationsangebot. Auf der anderen Seite steht die Blackbox des Portionierungsalgorithmus, den wir nur marginal beeinflussen können. Doch auch im analogen Leben begrenzen wir unsere Informationswelt: wir unterhalten uns mit Menschen, die wir mögen und denen wir vertrauen, wir lesen bestimmte Zeitungen oder ziehen in bestimmte Stadtviertel, weil sie mit unserer Vorstellung vom Leben übereinstimmen. Wir passen uns unsere Umgebung so an, dass wir den Alltag darin bewältigen können und schränken unsere Erfahrungswelt ein. Filterblasen sind kein rein digitales Phänomen, sondern viel mehr eine Verlängerung menschlicher Verhaltensmuster in den digitalen Bereich.

Der Weg aus der Blase

Während ich dies schreibe wird mir klar, dass sich über 40 Menschen aus Berlin und Hamburg mit unterschiedlichen Interessen und persönlichen Hintergründen täglich im Forum Gedanken zu den Möglichkeiten von Mensch und Maschine gemacht und darüber gesprochen haben. Genau das ist eine Möglichkeit der persönlichen Filterblase zu entfliehen, indem man seine Informationswelt erweitert und mit neuen Menschen teilt. Ein anderer Weg aus der Blase führt über das Wissen um die Einschränkung durch Filter, die einem von außen auferlegt werden. Das Zentrum des aufgewirbelten Kosmos liegt sowohl analog als auch digital in unserem kritischen Umgang mit Informationen und unserer Bereitschaft Neues und Ungewohntes wahrzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen.

Grafiknachweis: wobbling on water 10 // Pekka Nikrus // flickr // CC BY-NC-SA 2.0